Reise nach China
und wieder zurück

April - September
2011

Seite 12


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Durchs wilde Kyrgyzstan

Die Flagge von Kyrgyzstan


Unser Camp auf dem Dolon-Pass
Dolon-Pass, 9. Juni 2011 - Wir campen frei vor dem Dolon-Pass auf 2'835müM. Das Wetter ist sosolala: Es bläst ein kalter Wind, der Himmel ist bewölkt, die Temperatur beträgt beim Eindunkeln 12° und fällt gegen den Morgen auf 3°.

Die Strasse vom Ysik-Köl (Ysik = warmes Wasser; Köl = See) über drei Pässe nach Kaxgar in China ist auf kyrgyzischer Seite miserabel. Auf der chinesischen Seite, verspricht uns ein chinesischer Chauffeur (Er spricht einige Brocken italienisch!) sei sie viel, viel besser. On verra! (Es trifft dann tatsächlich zu!)

Wir müssen in Kyrgyzstan erst die beiden Pässe Dolon und Ak-Beiyz (3'282m) überqueren. Auf dem dritten Pass, dem 3'852m hohen Turugurt, befindet sich die Grenze. Wir campen zweimal wild, das erste Mal vor dem Dolon, das zweite Mal auf dem Ak Beiyz. Von dort aus sind es nur noch etwa zwanzig Kilometer bis zur Grenze.

Kyrgyzstan (rund 5 Mio Einwohner) ist ein armes, mausarmes Land. Die wenigen Bodenschätze (Uran, Gold) wurden zur Sowjetzeit praktisch alle ausgebeutet. Das Land hat keine Industrie, die Wirtschaft liegt darnieder. Der einzige Reichtum ist die Landschaft mit der gewaltigen Bergkette des Tian Shan (Himmels-Gebirge) im Süden. Zwei 7'000er, einige 6'000er, eine Vielzahl von 5'000er ragen über den weiten Ebenen empor. "Die 4'000er hat noch keiner gezählt, es sind so viele", sagt mir der kyrgysische Guide. Grandios sind auch die weiten Ebenen - zum Teil hundert Kilometer lang und bis zu vierzig breit - mit grossen Seen. Die meisten Seen sind leicht salzhaltig, da sie keine Abflüsse haben.

Touristisch wäre einiges zu machen. Aber die Infrastruktur (Hotels, Strassen) fehlt, sie wäre wegen der grossen Distanzen und der Höhe (die Ebenen liegen zum Teil über 3'000müM) auch nur mit grossem Aufwand zu erstellen. Zwar wird der Turugurt-Pass mit chinesischer Hilfe ausgebaut, aber es dürfte noch Jahre dauern, bis der rund 800km lange kyrgysische Abschnitt fertig sein wird. Wir brauchten vier Tage, um vom Issy-See nach Kaschgar zu fahren, ausschliesslich auf staubigen, holprigen, manchmal glischigen und tiefgefurchten Waschbrett-Strassen.

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Die Landschaft ist abwechslungsreich und teilweise grandios, die Strassen sind miserabel. Rechtes Bild: Schotterweg entlang der chinesischen
Grenze (Zaun) auf über 3'800müM.




Die Tian-Shan-Bergkette liegt zwischen Kyrgyzstan und der chinesischen Takla-Makan-Wüste. Ein 4'000er reiht sich an den anderen.
Der Berg im linken Drittel ist 5'256m hoch. Die Baumgrenze liegt im Tian-Shan auf etwa 2'800m. Auf den über 3'500m hoch gelegenen
Ebenen wachsen nur noch Steppengras, eine grosse Edelweiss-Art und Moose.


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Ein Gewitter zieht auf. Wir fahren auf glitschiger Waschbrettstrasse weiter.

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Zu Besuch in der Jurte einer kyrgysischen Familie. Die Kyrgysen sind trotz ihrer Armut sehr gastfreundlich. Ich verschenke (fast) alle meine
Mützen, Sackmesser, Tragtaschen und Farbstifte, die ich zu diesem Zweck mitgenommen habe.


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WC vor einer Verpflegungsstätte. Auch für das Händewaschen ist vorgesorgt.

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Dieses Minarett (links) der etwas einfacheren Art zeugt davon, dass diese moslemische Gemeinde nicht viel Geld hat. Die russisch-orthodoxe Kirche (rechts)
ist nur mit Holz und ohne einen einzigen Nagel gebaut; sie ist Zeugnis der russischen Vergangenheit, die endgültig vorbei ist.


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Felsmalerei aus dem ersten vorchristlichen Jahrhundert. Sie stammt vom Volk der Skythen, die hier ihr Stammland hatten und von hier aus den Norden des
persischen Reiches zur Zeit von Darius I. eroberten.




Wald ist selten im Tian-Shan-Gebirge. Die Kyrgysen bestossen die "Alpen" im Sommer mit ihrem Vieh (Kühe, Schafe, Pferde und Ziegen; Jaks sind
selten anzutreffen) und wohnen in Jurten, die sie in wenigen Stunden auf- und abbauen können.
Die Jurten sind kreisrund und bestehen aus
Holzstangen und dickem, wasser- und windresistentem Filz, der in Handarbeit aus Schafwolle hergestellt wird.


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Kyrgisische Mahlzeit der etwas besseren Art: Ravioli-Suppe und Reis mit Haxen - der chinesische Einfluss ist klar erkennbar (Teigtaschen und Nudeln
haben nicht die Italiener erfunden, sondern sind chinesischen Ursprungs).


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Camp auf der Hochebene (3'800müM) an der chinesischen Grenze. Einige Reiseteilnehmer klagen wegen der Höhe über Kopfschmerzen und können nicht
schlafen. Ich koche Fertignudeln zum Znacht, was keine gute Idee war, denn sie werden wegen der grossen Höhe kaum gar.


Die Berge rund um die Ebene sind alle mindestens 4'000m hoch, einige über 5'000. Leider ist der einzige 7'000er in der Nähe im Dunst nicht zu sehen.
Ich werde noch einmal herkommen müssen; in fünf Jahren dürfte die rund 1'000km lange Strasse von Bishkek, der Hauptstadt Kyrgyzstans, bis zum
chinesischen Kashgar in der Wüste Takla-Makan ausgebaut und durchgehend geteert sein.

Am Freitag, 10. Juni 2011, uberfahren wir mittags um zwei Uhr planmässig die chinesische Grenze. Wir stellen die Uhren zwei Stunden vor - und
brauchen dann rund acht Stunden, bis alle Zollformalitäten erledigt sind.



© .by Bruno Kleger CH-9000 St.Gallen ¦ bruno@kleger.net ¦ April 2011