Reise nach China
und wieder zurück

April - September
2011

Seite 14


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Takla Makan


Im Hintergrund sind schwach die vergletscherten Berge des
Tian Shan zu sehen. Die Berge davor (unten) sind kahl; erst
etwa fünf bis zehn Kilometer in Richtung Ebene beginnt
es zu grünen.

17. Juni 2011 - Korla/ Takla-Makan
Von Kashgar aus benützen wir die nördliche Seidenstrasse entlang der Wüste Takla-Makan nach Osten. Im Süden liegt die Wüste, im Norden ragen die 5- und 6'000er des Tian-Shan-Gebrigszuges empor. Der höchste Berg, den wir sehen, ist der 7'495m hohe Peak Pobedy. Vergletschert und weiss bildet er einen starken Kontrast zu den steinigen, kahlen Bergrücken im Vordergrund.

Ich habe mir die Wüste Takla-Makan schlimmer vorgestellt.*** Sie liegt im westlichen Teil auf einer Höhe von rund 1'000müM. Sowohl im Westen wie im Norden und Süden wird die Takla-Makan von hohen Bergketten eingefasst. Aus wenigen Einschnitten im Vorgebirge fliessen die Wasser aus den vergletscherten Bergen in die Wüste hinaus. Diese braunen, sedimentreichen Flüsse sind - am Nordrand - Lebensnerv für vier grosse Oasengebiete: Kashgar, Aksu, Kuga und Korla.

In jeder dieser vier Regionen leben rund 3-4 Mio Menschen. Dank der braunen Flüsse, die das ganze Jahr Wasser führen, und des mineralreichen Schlammes, das sie mitbringen, ist die Landwirtschaft sehr ertragreich. Diese ist immer noch das Rückgrat des wirtschaftlichen Einkommens. Kohleminen, die schon seit Jahrhunderten im Tagebau erschlossen werden, sowie vor wenigen Jahren entdeckte Öl- und Erdgasvorkommen haben für einen starken wirtschaftlichen Aufschwung der gesamten Region gesorgt.

Die grünen Gürtel reichen in den Flussgebieten einige Dutzend Kilometer in die Wüste hinaus, bis in jene Zonen, wo die Flüsse im Sande versickern oder in salzigen Seen buchstäblich verdorren. Dann beginnt die echte Takla-Makan, eines der heissesten, steinigsten und kahlsten Gebiete Asiens.

Südlich der Takla-Makan erhebt sich das Kunlun-Gebrige mit vorgelagerten Oasenregionen, spiegelbildlich zum nördlichen Teil der Wüste. Und das anschliessende Kunlun-Gebirge, ebenfalls bestückt mit 5- und 6'000ern, ist dann gewissermassen der Vorgeschmack auf das weiter südlich gelegene Hochplateau von Tibet mit den Himalaya-Riesen an der Grenze zu Indien und Nepal.

*** siehe auch nächste Seite (>15)



Camp in der Wüste Takla-Makan. Wir bleiben eine Nacht. Leider ist der Himmel erst gegen Morgen wolkenfrei, sodass wir den für
Wüstenregionen sternenübersäten Nachthimmel mit dem breiten Band der Milchstrasse verpassen.

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Typisches Wüstencamp der Baukolonnen (links) der neuen Strasse durch die Takla-Makan. Bauernhaus in der Oase von Aksu (rechts).

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Dieser Metzger (links) würde uns gerne seinen frisch geschlachteten Hammel verkaufen - oder zu mindest ein Stück davon.
An den Strassen verkaufen die Bauern Obst und Gemüse erntefrisch aus ihren Gärten (rechts).

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Die Takla-Makan ist wettermässig sehr tückisch. Plötzlich fallen aus heiterem Himmel grosse Regetropfen, und eine halbe Stunde findet man sich in
einem veritablen Sandsturm kaum mehr zurecht (links). Wir messen am gleichen Tag Temperaturen von 25° bis 42°. Nachts ist es bedeutend kühler.

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Sanddünen und verdorrte Tamariskenbäume bilden einen malerische Kulisse.

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Der Fluss Tamir mit Quellen am Peak Pobedy fliesst bis fast in die Mitte der Wüste, wo seine letzten Wasserreste in einem salzigen See langsam
verdunsten (links). Traktoren-Reparaturwerkstätte am Rande eine der Oasen; notfalls müssten auch wir hier Reparaturen ausführen lassen.


Wasser
In einem Mail wurde mir die Frage gestellt, wie wir uns sauberes, trinkbares Wasser beschaffen.

Wasser kennen wir im Camper je nach Verwendung in unterschiedlichen Qualitäten.
Das wichtigste ist das Trinkwasser, das wir in Flaschen abgefüllt kaufen, vergleichsweise wie
Mineralwasser. Der Liter kostet etwa 20 Eurocents, verwendet wird es ausschliesslich zum Trinken
und zum Kochen. Ich habe immer etwa 10 Liter vorrätig. Mein Tagesbedarf beträgt etwa vier Liter.
Dazu trinke ich noch Cola, Fruchtsäfte und Bier.

Im eigentlichen Wassertank, der etwa hundert Liter fasst, befindet sich das sogenannte Brauchwasser.
Es hat nicht Trinkwasserqualität und kann in Hotels und an einigen Tankstellen kostenlos bezogen werden.
Zur Desinfektion schütte ich abwechslungsweise etwas Silberiodid oder chlorhaltiges Javelwasser hinein.
Ich benütze es zum Duschen, Waschen, Zähne putzen, für die Kleiderwäsche und für den Abwasch
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Bedarf: etwa zehn bis zwanzig Liter pro Tag, manchmal auch mehr. Ich passe auf, dass das Pegel nie
unter vierzig Liter fällt.

Die dritte Qualität ist das sogenannte Grauwasser. Das ist das Abwasser aus der Nasszelle (Dusche und
Lavabo) sowie der Küche. Der Grauwassertank fasst ebenfalls rund hundert Liter. Dieses Wasser kann
zur Autowäsche, zum Putzen der Schuhe und zum Ausspülen des Latrinenbehälters verwendet werden.
Nicht gebrauchtes Grauwasser, das ausser Seifenrückständen keine problematischen Stoffe enthält,
entsorgen wir an geeigneten Stellen "auf dem Land".

Und dann ist da noch der Latrinenbehälter. Er fasst zehn Liter. In der Regel entsorgen wir den Inhalt
im Hotel-WC oder in der Toilette einer Tankstelle. Wenn solche nicht zur Verfügung stehen, graben wir
in der Wüste ein Loch und geben unsere Rückstände so der Natur wieder zurück.


Ö