Reise nach China
und wieder zurück

April - September
2011

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Ukraine


Lemberg - Opernplatz
 

Charkow, 5. Mai 2011 - Die Etappenorte in der Ukraine: Lemberg (L'viv), Kiew, Rovni, Bogatschka und Charkow.

Wir haben einige grosse und kleinere Städte besucht, geschäftige Märkte und wunderschöne Kathedralen besichtigt (unter anderem) und Unmengen von Schlaglöchern um- und durchfahren.

Die Ukraine hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck: Einerseits fasziniert die von verschiedensten Ethnien (Ruthenen, Polen, Österreicher, Ungarn, Russen, Juden usw.) geprägte Kultur, die sich in verschiedensten Formen und Arten ausdrückt (Architektur, Sprache, Essen usw.) und äussert. Aber andererseits ist der Einfluss der sowjetischen Zeitepoche noch immer übermächtig und überall gegenwärtig. Das erstere empfinden wir als sehr bereichernd und hoffnungsvoll, das zweite hingegen als beklemmend, desillusionierend, ja geradezu deprimierend. Charkow (als Beispiel) ist ein hoffnungsloser Fall: Alles verfällt und zerfällt, nirgendwo ist nur eine Spur von Aufbruch zu spüren. Diese Stadt ist, so scheint es, nicht mehr zu retten.

Im 2012 ist Charkow übrigens die Hauptstadt der Fussball-Euro. Vielleicht geschieht ein Wunder. Es wäre den Charkowern zun gönnen.



Kiew: Sophienkathedrale und Kathedrale des Höhlenklosters (unten). In die Renovation der Kirchen wird verhältnismässig viel investiert,
anderes, wie beispielsweise Wohnhäuser, Strassen, Kanalisation usw., werden nur flickenweise instandgestellt.

 



Gasse in einem durchschnittlichen Wohnquartier von Charkow: Nicht geteert, dafür mit idyllischen Vorgärten. Die Häuser
sind klein, nur einstöckig und nicht unterkellert. Eine hohe Mauer oder ein Bretterzaun schützt vor unbefugten Einblicken. Aber hier wohnen ist immer noch besser als in den grässlichen Plattenbauten.


Pappkameraden links
Wir alle sind mit CB-Funk ausgerüstet und senden auf der Frequenz 22. Jeder ist so in der Lage, alle Probleme, die er hat oder die er sieht, den anderen mitzuteilen. So meldet beispielsweise der vorderste Fahrer jede Polizeipatrouille, die er sieht, mit der Meldung "Pappkameraden* links (oder rechts)", damit die nachfolgenden Fahrer gewarnt sind. Die ausländischen Automobilisten gelten als zahlungskräftig und werden gerne schon beim geringsten Vergehen gebüsst (immer ohne Quittung).

Gewarnt wird auch vor fehlenden Gullydeckeln, besonders hohen Bahnschwellen oder heimtückischen Schlaglöchern. Auch besondere Sehenswüdigkeiten werden kommentiert, und manchmal weht eine witzige Bemerkung durch den Äther, die dann abends heiss diskutiert wird (Der beste Witz wird jeweils mit einem Extra-Wodka ausgezeichnet). Für die Einzelfahrer ist der CB-Funk natürlich besonders wichtig, haben sie so doch die Möglichkeit, mit den anderen während der Fahrt zu plaudern und Meinungen auszutauschen.

In den Städten wird der Funk geradezu zum Überlebensinstrument, denn nur die Funkverbindung garantiert, dass wir den Kontakt zum voraus und zum nachfolgend fahrenden Auto behalten und so durch die oft nur unzureichend beschilderten Städte navigieren können. Ohne Funk wären wir verloren, jeder zweite würde die Stadt in einer anderen Himmelsrichtung verlassen. Denn wenn der Sichtkontakt abbricht, haben wir immerhin noch Funkverbindung und können den nachfolgenden Wagen über Funk mitteilen, wo sie nach links oder rechts abbiegen müssen.

* Einer unserer Reiseteilnehmer ist pensionierter Polizeibeamter. Es gefällt ihm überhaupt nicht, dass wir seine Berufskollegen als "Pappkameraden" bezeichnen. Mein Vorschlag, die Begriffe "Schmier voraus" oder "Tschugger links" zu verwenden, wurde von der Mehrheit der (deutschen) Teilnehmer abgelehnt, weil sie nicht bereit waren, neben der russischen Sprache auch noch schweizerdeutsch zu lernen.

 

 

Ausgemusterte Fabrik: Die Fassade erinnert an bessere Zeiten. Die meisten Fabrikruinen sind auch aussen verfallen.



Die Strassen in der Ukraine sind sehr schlecht. Wir fahren langsam, um
die vielen Schlaglöchern umkurven zu können. Pro Stunde fahren wir
manchmal nur gerade 40km. Besonders heimtückisch sind die Schlaglöcher auf den sogenannten Schnellstrassen, weil sie da seltener sind, man sie oft erst sehr spät bemerkt und sie teilweise enorm tief sind.

© .by Bruno Kleger CH-9000 St.Gallen ¦ bruno@kleger.net ¦ April 2011