Reise nach China
und wieder zurück

April - September
2011

Seite 22


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Deutsch ist sehl schwielig - chinesisch
ist noch viel schwieligel
Bilder aus Xi'an
Ich habe Xi'an nun schon vier Mal besucht. Seit
dem ersten Besuch im Jahre 1998 hat sich Xi'an enorm verändert
und ist nicht mehr zu erkennen. Und dem Bauboom nach
zu urteilen, wird sich die einstige Hauptstadt Chinas weiter
stark wandeln. Wieder erkannt habe ich nur das Hotel Bell Tower,
die Stadtmauer, die wegen der Grösse auch die eifrigsten Chinesen
nicht schleifen können, sowie die Moschee der Hui-Muslime in
der Altstadt, die wie vor tausend Jahren, als sie gebaut wurde,
mit ihren lauschigen Gartenanlagen wie eine Oase im städtischen
Lärm, Gestank und Verkehrsgetümmel die Gläubigen - und die
Touristen, aus allen Teilen Chinas und aus Europa, Japan oder
den USA angereiste - wieder zur Besinnung bringt und andächtig
werden lässt.



Wanderung auf der Stadtmauer: Sie ist noch vollständig intakt
und misst insgesamt 13,6km.



Das Westtor der Stadtmauer ist nachts hell beleuchtet, wie es
die Chinesen lieben.



In einem lauschigen Garten ...



... am Rande der Innenstadt



Gebaut wird schnell und hoch - und an allen Enden
und Ecken der Stadt



Seit über tausend Jahren ein lauschiger Winkel
inmitten der lärmigen, geschäftigen Altstadt: die
Moschee der Hui-Muslime von Xi'an



Xi'an, 16. Juli 2011
Unsere Guides versuchen immer wieder, uns chinesische Wörter und Begriffe beizubringen. Meistens vergeblich. Denn die chinesische Sprache ist nicht leicht zu erlernen. Das liegt erstens an den vielen Schriftzeichen, und zweitens an der extrem schwierigen Aussprache. Die Grammatik hingegen ist relativ leicht zu begreifen. Chinesen, die Deutsch gelernt haben, sagen, für sie sei es genau umgekehrt: Nur etwa 25 Buchstaben ("Ganz leicht, jeden Tag 5 Buchstaben lelnen, nach einel Woche alle kennen!"), die Aussprache sei zwar schwer, aber nicht unmöglich zu lernen ("Jeden Abend mit Fleund üben! Volallem den L ääh RRRR!". Die Grammatik hingegen sei extrem schwierig, vor allem die Fälle und das Konjugieren.

Den Satz "Ich habe gestern ein schönes Haus gesehen." bildet man auf chinesisch - sehr vereinfacht erklärt - etwa so: "Ich sehen gestern Haus schön". Das Verb wird nicht konjugiert, die Vergangsenheitsform wird mit "gestern" gebildet. Also auch: "Er besuchen letzte Woche Schule hoch Technik Flugzeug Reich Mitte." ("Er besuchte letzte Woche die chinesische Hochschule für Flugzeugtechnik."). Ich weiss, dass das etwas vereinfacht ist, aber die wichtigsten Unterschiede in der Grammatik sind damit begreifbar erklärt.

Kompliziert, und für uns nur sehr schwer zu lernen, ist die Aussprache. Denn die chinesische Sprache besteht fast ausschliesslich aus ein- bis zweisilbigen Wörtern, wobei die Vokale unterschiedlich betont werden. So bedeutet "ma" je nach Betonung
- Mutter: a gleichbleibend hoch wie in "Tal"
- Hanf: a aufsteigend wie in *Was?"
- Pferd: a fallend und wieder steigend wie in "Echt?"
- schimpfen: a fallend wie "Nein!"
- ? (Frage): a unbetont kurz

Sehr schwierig sind auch die "Gurgel-Zisch"-Konsonanten von k über ch bis sch (im Pinyin, der Lateinumschrift des Chinesischen gibt es dafür acht Anweisungen, die erst noch von der englischen Sprache abgeleitet sind). Man muss Glück haben, den jeweils richtigen weich-bis-harten-ch-sch-q zu treffen. Man erhält im Restaurant dann je nach Betonung des Vokals entweder einen Stuhl statt ein Bier oder von der Serviererin "eine geklebt" statt die Preisliste.

Noch schwieriger und unübersichtlicher sind die chinesischen Schriftzeichen. Der Durchschnittschinese kennt etwa 500 verschiedene Zeichen. Für den Alltag sei das genügend, sagt uns der Guide. Es soll insgesamt etwa 3'000 geben. Ich selber kenne etwa 50, wobei ich nur die wenigsten korrekt aussprechen kann. Aber zumindest kenne ich die Bedeutung. Aber nicht immer und auch nicht meistens. Denn manchmal kann man sich schwer täuschen, weil je nach Kombination mit den Zeichen links und rechts die Bedeutung variieren, ja sich komplett verändern kann. Dann verstehe ich jeweils nur noch Bahnhof.


Aber es gibt auch Erfolgserlebnisse. Als mir irgendeine Chemikalie aus einem Lastwagen oder von einer Brücke herab auf meine Karrosserie tropfte und auf dem Lack sich Blasen zu bilden begannen, bestellte ich abends beim Parkplatzwächter eine Leiter, um die Chemikalien auf dem Dach wegspülen zu können. "Tizi chang" heisst "lange Leiter", habe ich aus dem Wörterbuch entnommen. Mit einem verständnisvollen "Ah!" griff mich der Wächter am Arm und marschierte mit mir wortlos über die Strasse zu einem Schreinergeschäft. Und tatsächlich, da stand eine lange Holzleiter, und ich konnte so die gröbsten Flecken vom Dach meines Campers wegwaschen. "Leiter" heisst übrigens "tizi" und "lang" bedeutet "chang", nicht etwa "long". Hätte ich nach einer "Tizi long" gefragt, dann hätte der Wächter die Flucht ergriffen, denn "long" heisst auf chinesisch "Drache".

 

© .by Bruno Kleger CH-9000 St.Gallen ¦ bruno@kleger.net ¦ April 2011