Reise nach China
und wieder zurück

April - September
2011

Seite 23


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2,6 Milliarden Stäbchen pro Tag - und was
man verdienen würde, wenn man das
Monopol auf die Herstellung von
Wegwerf-Essstäbchen hätte



Luojiang, 19. Juli 2011
Die Chinesen - und jene Langnasen, die es einigermassen beherrschen - essen mit Stäbchen. Morgens, mittags und abends, und manchmal auch zwischendurch. Viele benützen Stäbchen aus Edelholz oder Plastik, die sie mehrfach verwenden können. Aber all jene, die sich aus der Strassengarküche oder in den Quartierrestaurants verpflegen, und das ist die Mehrhheit, benützen Wegwerf-Esstäbchen aus Holz, die man, wie es der Name sagt, nur einmal verwendet.

Wir haben folgende Rechnung gemacht: Wenn die Hälfte aller Chinesen, das sind etwa 650 Millionen, zweimal pro Tag je zwei Essstäbchen braucht, dann ergibt das pro Tag einen Verbrauch von 2,6 Milliarden Stäbchen. Pro Woche sind das 18,2 Milliarden, pro Monat 72,8 Milliarden - und pro Jahr 873'600'000'000 ...

Essstäbchen-Hersteller sollte man sein. Denn wenn man pro Stäbchen - mal angenommen - nur einen Zehntel Rappen verdienen täte, das wäre ja nicht zu viel, so könnte man pro Jahr so ungefähr
873'600'000 CHF als Reingewinn einheimsen - zumindest im Konjunktiv.

Aber wie so vieles in China ist auch die Esstäbchen-produktion in staatlicher Hand - auf dem Papier. So wie ich die chinesische Auslegung der kommunistisch geprägten Markwirtschaft kennengelernt habe, sind kleine Abweichungen der marxistischen Lehre aber denkbar ... beipielsweise jene, dass die Produktion zwar staatlich ist, nicht aber Marketing, Vertrieb und Verkauf. Auf chinesisch würde das heissen: Alles, was Kosten verursacht, ist in staatlicher Hand, alles was Gewinn bringt, ist privatisiert. Aber dieses Geschäftsmodell ist ja bekanntlich keine chinesische Erfindung - wir kennen dieses Prinzip auch bei uns zur Genüge.

Noch eine zweite Rechnung. Jeder Chinese benötigt für seine Verpflegung pro Tag im Durchschnitt im Minimum zwei Plastiksäckchen der Grösse 20x30cm. Rechne: 1,3 Milliarden Chinesen x 2 Plastiksäckchen pro Tag x 7 Tage x 4 Wochen x 12 Monate, das ergibt pro Jahr so ungefähr 873 Milliarden Plastiksäckli, von denen die meisten garantiert nicht im ordentlichen Müll landen. Berechne nun den Gewinn pro Jahr bei einer Rendite von 0,004 Rappen pro Plastiksack ...

Eine 3. Rechnung: Aus Naturschutzgründen benötigen die Chinesen für ihr tägliches Geschäft (noch fast) kein WC-Papier. Rechne: Würde jeder Chinese wie wir Europäer täglich durchschnittlich zwölf Papierchen verbrauchen, und mal angenommen, jede Rolle hätte deren 360, müsste die jährliche WC-Papierproduktion auf die satte Summe von ungefähr 1,5 Milliarden Rollen aufgestockt werden, wenn ich richtig gerechnet habe. Aber vielleicht sind es auch 15 Milliarden Rollen, denn mein Rechner auf dem Handy (das Handy ist übrigens made in China) hat echt Mühe mit diesen riesigen Zahlen. Und so genau will es ja auch gar keiner wissen.


Auf eine 4. Rechnung wollen wir heute verzichten, aus Umweltschutzgründen ... und weil es hier jetzt bereits 23 Uhr ist und ich bereits zwei Bierchen getrunken habe und deshalb nicht mehr gut so rechnen kann und auch mit der deutschen Grammatik so meine liebe Mühe habe. Aber man stelle sich mal vor, jeder Chinese - Frauen und Männer - würde jeden Tag auch nur eine einzige Dose Bier trinken, dann ergäben das pro Jahr so ungefähr fast 500 Milliarden Dosen. Eigentlich kaum vorstellbar. Und nun wünsche ich allen eine gute Nacht ...


 

© .by Bruno Kleger CH-9000 St.Gallen ¦ bruno@kleger.net ¦ April 2011