Reise nach China
und wieder zurück

April - September
2011

Seite 30


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Leserbriefe


Majestätischer Empfang an der mongolisch-russischen Grenze. Die Tafel
mit der Aufschrift Russia und dem Zarenadler wird auf der Rückseite zur
Zeit von einem Arbeiter, dessen Jacke und Znünitasche am russischen
Adler hängt, gereinigt.







Bevor wir in Russland einreisen dürfen, müssen wir unsere
Fahrzeuge im Fussbad desinfizieren.




Schier endlos sind die Strassen durch das östliche Sibirien



Irkutsk, 16. August 2011
Wir sind für einige Tage in Listwijanka, einem kleinen Dorf am Baikalsee, ca 70km südöstlich von Irkutsk. Die Aussicht ist prächtig: Vor uns der Baikalsee, westlich der Fluss Angara, der vom Baikalsee nach Norden ins arktische Meer fliesst.

Endlich habe ich wieder Internet-Anschluss, das erste Mal seit Beijing. Und endlich habe ich auch einmal Zeit, einige Fragen zu beantworten, die mir per Mail gestellt wurden. Leider kann ich nur sehr umständlich und gegen relativ hohe Gebühren selber Mails verschicken, deshalb ist es mir nicht möglich, die Mails direkt zu beantworten und auch zu verdanken. Die Sicherheitsstandards im Mailverkehr sind hier anscheinend sehr hoch, oder es könnte auch sein, dass ich meinen eigenen Account mit zu hohen Sicherheitsanforderungen ausgestattet habe.

Die Verbindung über den FTP-Server, mit dem ich meine Webseiten publiziere, klappt lustigerweise praktisch immer problemlos. Und nun zu einigen Fragen.

Hast Du keine technischen Probleme mit dem Auto?
Nein, bis jetzt glücklicherweise nicht. Technisch klappt bei meinem Auto bis jetzt alles vorzüglich. Ich hatte, im Gegensatz zu anderen Teilnehmern, auch noch nie einen Platten. Andere Fahrer mussten schon einige Male eine Autowerkstätte aufsuchen; mal hatten sie Probleme mit der elektrischen Anlage, mal war die Treibstoffzufuhr undicht oder sie hinterliesen Ölspuren auf dem Abstellplatz. Aber es konnte immer alles repariert werden, denn die Automechaniker sind hier sehr gut im Improvisieren.

Hingegen hat mein Camper einige Kratzer und Beulen abbekommen. An der rechten Seite sieht man die Spur einer Rikscha-Lenkstange, ein Splitsteinregen, verursacht von einem in hohem Tempo entgegen gefahrenen Laster, hat die Frontscheibe ziemlich stark lädiert, und Beulen an der rechten Seite und am Heck erinnern an einen Hagelschlag in der Wüste Gobi. Die Hagelkörner waren wallnussgross und verursachten bei andern Campern teilweise grosse Schäden an Dachfenstern, Rückspiegeln und Seitenwänden. Ich konnte zum Glück meinen Camper noch rechtzeitig mit dem Heck in den Sturm stellen, die Fenster schliessen und die Rückspiegel einklappen.

Kann man überall problemlos mit der Kreditkarte bezahlen und Geld am Bancomaten abheben?
Nein. Kreditkarten werden nur in *****-Hotels und in teuren Buttiken in Grossstädten akzeptiert. Geld abheben am Automaten in grösseren Städten wäre möglich, ist aber wegen der fremden Schriftzeichen auf dem Bildschirm nicht zu empfehlen: Ein falscher Fingerprint ... und schon ist die Karte in den Innereien des Automaten verschwunden, und es bräuchte die Hilfe eines tüchtigen Dolmetschers, sie von der Bank wieder ausgehändigt zu bekommen.

Bargeld ist die beste Lösung. Ich habe Dollars und Euros an diversen Orten im Camper versteckt. Wo, das gebe ich hier allerdings nicht preis ... und selber hoffe ich sehr, dass ich alle versteckten Noten wieder finde.

Wie ist die Kameradschaft unter den Reiseteilnehmern?
Grundsätzlich sind wir eine gut zusammengesetzte Gruppe. Klar, jeder hat Ecken und Kanten ... und es gibt schon hie und da kleinere Scharmützel. Aber ich selber habe keine Probleme und komme mit fast* allen gut aus. Oft kochen oder grillen wir zusammen, oder wir teilen uns auf und unternehmen jenes, was unseren unterschiedlichen Wünschen entgegenkommt. Das einzige, was ich weniger schätze, ist der Umstand, dass ich den ganzen Tag Hochdeutsch, Holländisch oder eine andere Fremdsprache sprechen muss. Ich würde gerne auch wieder einmal Dialekt reden. Und im übrigen kann ich mich, wenn ich vom Gruppendruck genug habe, in meinen Camper zurückziehen, lesen, einen Video schauen oder Musik hören. *Das fast bezieht sich auf jene Person, die auf Anweisung des Reiseveranstalters die Gruppe in Lanzhou verlassen und alleine wieder nach Hause reisen musste, weil sie sich nicht den üblichen Gegebenheiten anpassen konnte oder wollte.

Wie geht es Dir gesundheitlich? Hast Du Heimweh? Ist diese Reise nicht manchmal zu stressig?
Gesundheit? Gut, sogar sehr gut. Ausser einem zwei Tage dauernden Durchfall (in Kyrgyzstan) und einem angebrochenen Schneidezahn (sehr hartes, luftgetrocknetes, aber sehr gut schmeckendes Jaks-Trockenfleisch, gekauft bei einem Tibeter) sind keine besonderen Vorkommnisse zu vermelden. Und mein Vorrat an Medikamenten gegen meine Gelenkprobleme in den Füssen ist - oh Wunder - noch unangetastet
. Hoffen wir, dass es so bleibt!

Heimweh? Nein. Ich weiss ja, dass ich am Dienstag, 27. September 2011, definitiv wieder mit all meinen Sinnen dort sein werde, was man Heimat nennt. Es gibt schon Dinge, die mir fehlen, beispielsweise die spannenden Berichte auf der Lokalseite des Tagblatts, die aufgemotzten News von TVO, die "eifach gueti Musig" von Radio FM1, die irrwitzigen Diskussionen um Schattenwürfe, die Staus im Rosenbergtunnel, die Parkplatzsuche beim Marktplatz, die vielen Baustellen allüberall in der Stadt und ...

Stressig? Ja, Reisen dieser Art sind nicht jedermanns Sache. Aber mir gefällts. Ich habe es nie stressig gefunden, nach einer über 400km langen Fahrt über teils schlechte Strassen oder nach mehrstündigem Kriechen durch das Verkehrsgewühl von Chinas Millionenstädten in einem Vorgarten eines **-Hotels einen einigermassen akzeptablen Parkplatz anzusteuern, dann noch zu kochen, abzuwaschen, nach einem Stromanschluss für den Camper zu suchen, den Wasservorrat nachzutanken, die WC-Toilette zu entleeren oder in der Hotelrezeption nach den Preisen des Laundry-Services zu fragen. Ich habe eigentlich nur die Angst, dass mir das alles so zur festen Gewohnheit geworden ist, dass ich auch an der Schneebergstrasse abends jeweils einen Stromanschluss suche, Wasser tanke, die Wäsche an der Rezeption abgebe, das Lavabo für die Handwäsche ... nein, nur das nicht, hoffentlich kann ich mir das dann alles wieder abgewöhnen. Und für euch alle erhoffe ich mir, dass ich das Schwizerdütsch nicht verlernt habe ...



. Am Baikalsee, dem grössten Süsswassersee der Welt

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Lagerfeuer im Camp am Baikalsee - es ist Vollmond, und wir gehen erst sehr spät in die Kojen.



© .by Bruno Kleger CH-9000 St.Gallen ¦ bruno@kleger.net ¦ April 2011