Reise nach China
und wieder zurück

April - September
2011

Seite 31


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Achtung: Die Mongolen kommen


Lange Kolonnen von Lastwagen sind an der chinesischen Grenze
vor der Buckelpiste nach dem Norden aufgereiht




Die Mehrheit der Mongolen lebt immer noch in Jurten



Im Süden der Gobi wächst praktisch nur Steppengras.



Die Steppe ist kahl und bis etwa zur Hälfte der Strecke nach
Ulaan Baatar wüstenähnlich.

Irkutsk, 16. August 2011
Die Fahrt durch die Mongolei war eine Reise der besonderen Art. Erst die Einfahrt an der chinesisch-mongolischen Grenze, denn gleich hinter dem Grenzzaun beginnt die Wüste Gobi. Dann die ersten "Berührungen" mit den mongolischen Autofahrern bzw. Fahrzeugen. Wer den mongolischen Verkehr ohne Beulen überlebt hat, kann getrost und geruhsam nach China fahren.

Ich habe in der Mongolei, die Hauptstadt Ulaan Baatar eingeschlossen, kaum ein Fahrzeug gesehen, an dem noch alles befestigt war, was in Europa gesetzlich an ein Auto gehört. Die einen hatten statt Scheinwerfer "tote hohle Augen", statt Türen war eine Kette gespannt oder statt einer Motorhaube flatterte ein zerschlissener Regenmantel über dem ratternden Motor. Grundsätzlich wird die Fahrertür, ist denn überhaupt eine vorhanden, nicht selbst geschlossen, sondern man lässt sie durch die Kraft des Fahrtwindes beim schnellen Anfahren zuknallen. Rückspiegel sind meistens blind, Blinker sind oft "ewige Lichter", weil sie ununterbrochen blinzeln, und nachts sind anscheinend mehr Motorräder unterwegs als Autos, denn es brennt immer nur höchstens eine Lampe, wenn überhaupt. Sind beide Lampen defekt, lässt man die Warnblinkanlage losfeuern, und ist auch diese defekt oder nicht vorhanden, hofft man darauf, dass die Strassenbeleuchtung genug hell ist.

Die Mongolen haben mehrheitlich rechtsgesteuerte Fahrzeuge, die sie als Occasionen aus Japan (Linksverkehr) importieren. Wenn sie überholen, ist das besonders tükisch. Im übrigen fahren sie so, wie sie reiten, immer im Galopp und meistens rittlings auf der Mittellinie (also die Linie zwischen den Beinen ... äh Rädern). Die Autos hupen nicht, sondern sie wiehern, und wenn du Pech hast, spickt dir so viel Pferdemist an die Windschutzscheibe, dass du schon nach wenigen Kilometern kein Wasser mehr in der Scheibenwaschanlage hast.

Man sieht fast nur Offroader, was angesichts der Strassenverhältnisse nicht verwundert. Das Gefährliche daran ist der Umstand, dass viele Autos vorne, hinten und auf der Seite mit chromblitzenden Stangenkonstruktionen geschützt sind, die problemlos auch heftigere Berührungen mit anderen Fahrzeugen abfedern. "Blachenküssen" ist in der Mongolei ein Volkssport, selbst bei den Frauen (das heisst, man kreuzt sich so nahe, dass, hätte man Blachen, diese aufgrund der physikalischen Gesetze der Aerodynamik aneinander schlagen, eben "küssen", würden. Man kannte diesen "Spass" auch bei den Motorfahrern der Schweizer Armee).


Die Mongolen selber sind, soweit ich das nach dem kurzen Besuch einschätzen kann, ein gutmütiges Volk. Sie sind freundlich, offen ... und im Vergleich mit den Chinesen sehr stämmig gebaut. Während in China jede/r gepolsterte/r Frau/Mann auffällt, sind es in der Mongolei eher die mageren, denen man nachdenklich nachschaut. Die mongolische Speisekarte wird vor allem von Fleischgerichten beherrscht; Gemüse und Früchte sind zwar erhältlich, aber verhältnismässig teuer. Zunehmend beliebt sind Milchprodukte, was angesichts der zunehmenden Anzahl entsprechender Tiere, die in der Mongolei gehalten werden, nicht überrascht (Die Mongolei zählt etwa 3,7 Mio. Einwohner und etwa 25 Mio Nutztiere).

Überrascht war ich davon, wie stark die Mongolei von Russland beeinflusst wird und nicht etwa von China. Die Sprache ist mit den Turksprachen verwandt, die Schrift extrem kyrillisch (es werden noch Buchstaben verwendet, die heute nicht mal mehr in Russland in Gebrauch sind), und kulturell wie auch wirtschaftlich sind die Beziehungen mit Russland viel intensiver als mit dem anderen Nachbarn. Sind die Mongolen immer noch beleidigt, dass ihnen die Chinesen im Süden eine dreitausend Kilometer lange Mauer vor die Nase gestellt haben?

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Ein typisches Dorf in der Wüste Gobi, dort, wo sie bewohnbar ist. Viehzucht - Rinder, Schafe und Ziegen - ist die wirtschaftliche Grundlage. In
einigen Gegenden sind Vorkommen seltener Metalle gefunden worden, die jetzt von ausländischen Firmen ausgebeutet werden und einigen
wenigen Mongolen Arbeit geben.
Rechts: Unser Camp bei Ulaan Baatar



Vorort von Ulaan Baatar

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Edelweiss ist an den Hängen der Hügel in Hülle und Fülle zu finden. Rechts: Typische mongolische Mädchen

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Die Mongolen sind ein stämmiges Volk, und sie sind sehr stolz auf ihre Nation und ihre Flagge. Geschichtlich haben sie ja auch einiges vorzuweisen:
Der Eroberer und Gründer des grössten Reiches, das je existierte, war der Mongole Dschingis Khan.



Obwohl der gut motorisierte Offroader mit walzenbreiten Pneus immer mehr in Mode kommt, ist es halt doch noch am
schönsten, auf dem Pferderücken durch die Steppe zu preschen.



Camp in der Steppe, kurz vor einem heftigen Gewitter mit dem starken Hagelschlag ...



... und wenige Minuten danach. Günter steht alleine in der Steppe und übt bereits seine Heimfahrt nach Deutschland,
die er mutterseelenalleine unter die Räder nimmt, weil er Sibirien bereits mehrmals bereist hat und, wie er sagt,
jede Stadt, jede Bodenwelle und alle Schlaglöcher bereits bestens kennt.


© .by Bruno Kleger CH-9000 St.Gallen ¦ bruno@kleger.net ¦ April 2011