Reise nach China
und wieder zurück

April - September
2011

Seite 35


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Von der Angara zum Yenissej








Krasnojarsk, 25. August 2011
Vier Tage benötigen wir, um die rund tausend Kilometer von Irkutsk nach Krasnoijarsk abzuspulen. Die Landschaft Ostsibiriens überrascht. Sie ist viel abwechslungsreicher, als ich sie mir vorgestellt habe. Wir rauschen durch verschieden geartete Wälder: reinster Birkenwald, dann wieder Mischwald, gefolgt von Nadelwald mit mächtigen Kiefern und Föhren.

Die Landschaft wird geformt von sanft geschwungenen Hügeln, unterbrochen von Flussläufen und sumpfigen Talsenken. Die Strasse geht auf und ab, meist in sanften Steigungen, hin und wieder aber auch atemberaubend steil (bis 12% warnt das Verkehrsschild).

Rund um die wenigen Siedlungen wird geackert und geholzt - die riesigen Weizenfelder enden erst am Horizont, und Wald gibt es von da an in Hülle und Fülle.

Die Dörfer wirken armselig und verlassen. Viele der Bauernkaten sind nicht mehr bewohnt und verfallen. Aber die noch bewohnten sehen schmuck aus jetzt im Spätsommer. Im kleinen Vorgarten blüht allerlei Blumengerank, und vor den Zäunen liegt das Birkenholz noch ungespalten in hohen Haufen. Man erwartet hier wieder einen strengen Winter.

Die wenigen kleineren Städte zwischen Irkutsk und Krasnoijarsk sind noch schäbiger als die Dörfer. Die Strassen und Wege sind schlammig, in den tiefen Pfützen spiegeln sich schmucklose Häuser mit bröckelnden Fassaden. Radlose, aufgebrochene Autos rosten vor sich hin. Überall liegt Unrat und Abfall.

Es ist für uns recht schwierig herauszufinden, welcher Strasse wir folgen müssen, denn keine verdient die Bezeichnung Hauptstrasse. Wegweiser sucht man vergebens ... und wenn es doch welche hat, sind sie unentzifferbar verbeult oder zeigen in die falsche Richtung; sie würden uns in die Irre führen, wenn wir ihnen glaubten.

Menschen hüpfen verdrossen über die schmutzigen, dieselöligen Wasserlachen. Männer stehen rauchend und gelangweilt umher ... es gibt viel zu wenig Arbeit hier in dieser Öde. Die Frauen, sagt uns der russische Guide, seien das Rückgrat der Familie, wenn es denn solche noch gebe. Viele Männer verschwänden einfach im Dunst des riesigen russischen Reiches ... auf Nimmerwiedersehn.

Einige versuchen ihr Glück mit Pilze sammeln und bieten an den Bushaltestellen an, was sie in der nebligen Morgenfrühe in den regennassen Wäldern geerntet haben. Womit verdienen sie im bissig kalten sibirischen Winter ihren Lebensunterhalt?



Die Landschaft in Ostsibirien ist sehr abwechslungsreich. Übrigens: Sibirija heisst übersetzt "Schlafendes Land" - eigentlich ein schöner Name, und über
weite Strecken trifft er auch zu. Gegen Norden ist das Land noch über Tausende von Kilometern weitgehend unberührt. Wären da nicht die Gas- und
Ölvorkommen in der Tundra Nordsibiriens, wäre der überwiegende Teil Nord-Sibiriens von der Archangelskaija bis nach Kamtschatka noch heute ein
"schlafendes Land".

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Rechts: Abfahrt am frühen Morgen bei Sonnenaufgang; die Tafel besagt, dass es bis Krasnoijarsk noch 382km weit ist, und dass Irkutsk 673 km hinter uns liegt.



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Links: Bis Kansk sind es noch 47km, bis Krasnoijarsk 293 und bis Novosibirsk 1108. Rechts: Die Geleise der Transibirischen Eisenbahn werden bei der
Durchfahrt eines Zuges nicht nur mit Schranken abgesperrt, sondern zusätzlich noch mit Stahlrampen, die aus dem Boden hochgeschwenkt werden.



Wie aus dem Bilderbuch - Weizenfeld, baumumrankt.



Oben und unten: Typische Bauernkaten in Ostsibirien.

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Die Strassenqualität schwank von miserabel bis perfekt.

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Zum Glück kreuzen uns auf sibirischen Strassen nicht so viele Laster wie in China. Aber wenn, dann sind es ebenfalls richtige Monster.



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Links: Verkaufsstand am Strassenrand; im rauchenden, holzbeheizten Samowar brüht der Tee, den die Lastwagenfahrer gerne auftanken.
Rechts: Unser Standplatz am Yenissej in Krasnoijarsk.


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© .by Bruno Kleger CH-9000 St.Gallen ¦ bruno@kleger.net ¦ April 2011