Reise nach China
und wieder zurück

April - September
2011

Seite 37


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Camper-Latein und Dies und Das


Omsk, 31. August 2011
Abends, wenn wir uns jeweils am neuen Ort eingerichtet haben, also den Strom - wenn vorhanden (w.v.) - angeschlossen, den Wasservorrat aufgefüllt (w.v.), geduscht, das Essen gekocht - oder in einem Restaurant gegessen - haben, richten wir uns mit Campingstühlen vor der Einfahrt des Hotels, im Garten (w.v.) oder auf der Terrasse (w.v.) gemütlich ein - und besprechen die wichtigsten Ereignisse des Tages, lamentieren über die Strassenverhältnisse und kommentieren und würdigen die Leistungen der Guides oder die Qualität der Restaurantküchen.

Je später der Abend wird, desto mehr schweifen die Gespräche aus - an andere Orte, die wir besucht haben, auf andere Campingreisen und auf dies und das, das der eine und andere in seinem langen Leben (Die meisten Reiseteilnehmer sind im Pensionsalter) schon erlebt hat. Natürlich lernen wir dabei die Mitreisenden auch privat näher und besser kennen.

Die Guides sind gerne Gast bei diesen Plaudereien, und wir erfragen und erfahren dadurch so manch Hintergründiges über Land und Leute, das wir an den "offiziellen" Führungen nicht erzählt und erklärt bekamen - und die ich in manche meiner Berichte habe einfliessen lassen.

Viele Geschichten, die erzählt wurden, habe ich wieder vergessen. Ebenso erging es weniger eindrücklichen Erlebnissen und Erfahrungen, die geschildert und dargelegt wurden. Aber einige dieser kleinen Geschichten - Kleingemüse eben - möchte ich doch nicht unerwähnt lassen.


 

Kakerlaken
Es war spätabends auf der Hotelterrasse in Buchara. Wir hatten ungebetene
Gäste: Kakerlaken. Sie schwärmten aus den Mauerspalten, krabbelten wieselflink
über den Marmorboden und taten das, wofür Kakerlaken geboren werden -
Krümelchen sammeln, in die Kakerlakenhöhle tragen und dann weiterverwerten.

Es kam, wie es kommen musste, wenn einem diese nicht gerade appetitlichen Tierchen
in Scharen um die Füsse flitzen. Einer, nennen wir ihn Gustav, zerquetschte mit
seiner Sandale - und mit viel Kraft und Wollust - eine vorbei sausende Küchenschabe.
Sie war sofort mausetot.

Ein mitreisendes Ehepaar, nennen wir sie Max und Mathilde, haben mit ihrem
Camper schon die halbe Welt befahren. Sie waren in Nord- und Südamerika,
in Nordafrika, im Nahen Osten, in Australien, natürlich in jedem Land in Europa.
Sie besitzen jede Menge Campererfahrung - auch mit Kakerlaken.


Max erzählte, dass er ebenfalls einmal eine Kakerlake zerstampft habe, mit seinen
Wanderschuhen, damals auf Tour in Argentinien. Die Wanderschuhe habe er dann
im Camper verstaut. Mit dem Schiff sei das Auto anschliessend nach Europa
verfrachtet worden, wieder zurück in die Heimat.

Nach drei Wochen hätten sie den Camper im Hafen von Antwerpen abgeholt - und
bei der Heimfahrt nicht schlecht gestaunt, dass immer wieder Kakerlaken aus den
Möbelritzen hervorkrochen, über den Boden rannten und schnell wieder in einer
anderen Ritze verschwanden. Sie waren so pfeilgeschwind und gewandt, dass
Max und Mathilde stundenlang mit der Mückenklatsche auf Pirsch sein mussten,
bis sie - vermeintlich - endlich alle Kakerlaken vernichtet hatten. Leider war dem
nicht so. Sie mussten die Hilfe der Kölner Insektenbekämpfungsbehörde in Anspruch
nehmen, um auch die Nester in den hintersten Ecken des Campers auszuräuchern.

Wie konnte das geschehen? Der Oberkakerlakenbekämpfer von Köln erklärte ihnen
den Sachverhalt. Sehr wahrscheinlich, oder fast sicher, hätte Max mit seinem Schuh
eine weibliche, befruchtete Eier tragende Kakerlakenmutter zerquetscht. Dabei hätten
sich Eier im Profil seiner Wanderschuhe eingenistet. Und auf der Fahrt über den Atlantik
seien dann aus den Eiern kleine, putzige Kakerläkerli geschlüpft
. Nahrung sei in den
vielen Ecken und Ritzen eines Campers genügend vorhanden, sodass die Viecher zu
respektablen Küchenschaben, in diesem Fall Camperschaben, heranwachsen konnten.

Als Max mit seiner Geschichte zu Ende war, nahm Gustav seine Sandalen zur Hand
und ging mit einer Bürste bewaffnet schnurstraks zu einem Wasserhahn, um die
Sohlen gründlich zu putzen. Anscheinend mit Erfolg, denn er hat in seinem Mobilhome
in den folgenden Tagen und Wochen nie eine Kakerlake gesichtet. Es könnte aber
auch sein, dass sie sich gut verstecken und nur dann auf Beute gehen, wenn Gustav
nicht da ist. Es soll nämlich ausgesprochen kluge Kakerlaken geben, im besonderen
die Kakerlaki bucharini.


Frau Garmin widerspricht
Wir alle sind mit GPS-Geräten ausgerüstet. Sie zeigen uns viel genauer den Weg
als jede Strassenkarte, denn diese sind für China und Russland beispielsweise
nur in einem sehr grossen Masstab erhältlich. Vor allem in Städten, wo das
Navigieren besonders schwierig ist, sind Strassenkarten deshalb nicht brauchbar.
Für mich als Einzelfahrer trifft dies in besonderem Masse zu, denn ich kann ja
nicht gleichzeitig fahren und Karte lesen.

Frau Garmin leistet mir da sehr nützliche Hilfe. Sie sagt mir, wie ich fahren muss,
warnt mich, wenn ich zu schnell fahre und berechnet eine neue Route, wenn
ich trotz ihrer Hilfe den falschen Weg gewählt habe. Einige benützen Navigeräte
anderer Hersteller. Die Damen, die ihnen den Weg weisen, heissen dann halt
einfach Frau Tomtom oder Frau Blaupunkt oder so.

Aber hundertprozentig kann man sich auf diese Damen nicht verlassen, wie das
auch sonst im Leben so ist. Navi-Frauen geben manchmal Anweisungen, die so
nicht stimmen können, weil da keine Strasse nach rechts abbiegt, wo sie eine
angesagt haben. Oder ich fahre auf einer wunderbar ausgebauten Autobahn -
und Frau Garmin wiederholt ohne Unterlass den Satz: "Sie fahren auf einer nicht
digitalisierten Strasse". Nicht angebracht ist auch die Bemerkung "Bitte wenden!",
obwohl ich eindeutig auf der richtigen Strasse in die richtige Richtung fahre.
Frau Garmin hört dann jeweils von mir spitze Bemerkungen.

Manchmal weiss halt auch sie nicht mehr, wo es lang geht. Erkenntlich ist das
daran, dass sie alle paar Sekunden eine neue Berechnung ansagt und den Computer
anweist, die Route neu auszuloten. Dann heisst es: Aufgepasst, auch Frau Garmin
weiss nicht mehr weiter.

Wer gut ausgerüstet ist, hat deshalb zwei Navigeräte unterschiedlicher Marken
vor sich auf dem Armaturenbrett aufgebaut. Wenn bei Frau Garmin nichts mehr geht,
dann hört man einfach auf Frau Tomtom.

Schlimm wird es erst, wenn beide nicht mehr weiter wissen, was übrigens in China oft
der Fall war. Es lag weniger daran, dass die beiden Frauen eifersüchtig aufeinander
waren, sondern eher an der Bauwut der Chinesen. Keine Frau der Welt ist in der Lage,
sich alle neuen Strassen zu merken, die täglich im Reich der Mitte in Betrieb gesetzt
werden. Nicht einmal Frau Garmin, und schon gar nicht Frau Blaupunkt (habe ich als
dritte Variante im Köcher).

Auch schon ist es vorgekommen, dass mich Frau Garmin nach dem Einprogrammieren
des Zielortes fragte: "Wollen Sie tatsächlich dahin? Die von Ihnen einprogrammierte
Stadt ist mir unbekannt." Oder sie meinte: "Sie sollten dringend wieder einmal ihre
Karten aufdatieren. Wählen sie www.garmin.com." Oder sie sagte ganz einfach nichts
mehr, und auf dem Bildschirm erschien ein Textkästchen: "Akku fast leer. Das Navi
schaltet sich in 15 Sekunden aus ... in 14 Sekunden ..." Ich hatte halt wieder einmal
vergessen, Frau Garmin an die Stromversorgung anzuschliessen.

Wenn übrigens die Navigeräte nichts mehr anzeigen, was brauchbar ist, und wir
unser Ziel immer noch nicht gefunden haben, dann machen wir einen Halt, schalten den
Laptop ein, klicken die einprogrammierte Karte GARMIN MAPSOURCE an ... und schon
haben wir auf dem Bildschirm eine fast perfekte Karte Europas und Asiens. Man kann
mit dieser digitalisierten Weltkarte die Navigeräte nicht navigieren lassen, sondern
man benützt sie wie eine normale Landkarte. Man kann auf dem Bildschirm vergrössern
bis 1:10'000'000 sowie verkleinern, bis sogar schmalste Quartierstrassen und Gebäude
bis zu einer Grösse von 20x20 Metern erkenn- und ablesbar sind. Wir brauchen dann
nur die Koordinaten unseres Standortes (bestimmen wir mit dem Navigerät) und diejenigen
des Ziels anzugeben - und schon können wir einen optimalen Weg zu unserem Zielort
definieren. Es gab kein Ziel, das wir auf dieser Reise nicht gefunden haben - dank den
wunderbaren Geräten und Programmen namens Garmin, Tomtom usw.

PS Man hätte auch entsprechenden Dienste von Google benützen können, aber wir
hätten unsere Telefonrechnungen damit in schwindelerregende Höhen katapultiert.


Russisch tanken
In Russland ist vieles anders als bei uns. Auch das Tanken von Benzin oder Diesel.
Tankstellen hat es an den Hauptverkehrsachsen und in den Städten genügend.
Aber oft sind die Einfahrten mit roten Plastikbändern versperrt, und das
bedeutet, dass kein Sprit mehr vorrätig ist. Es kann auch sein, dass es nur Benzin
gibt oder nur Diesel für Lastwagen (ist für unsere Autos zu schmutzig). Oder die
Kassiererin muss mal, dann ist die Tankstelle ebenfalls gesperrt, oft für Stunden.
Man steuert dann halt einfach die nächste an.

Hat man endlich eine Zapfsäule gefunden, die Sprit hat und auch funktioniert,
dann muss man zuerst das Kassahäuschen suchen. Meist ist die Kasse hinter
einem vergitterten Loch in einem kleinen gemauerten Häuschen ohne Fenster
versteckt. Oder die Kassierin sitzt hinter dunklem Panzerglas, ist also vom Kunden
hermetisch getrennt und spricht über eine Gegensprechanlage. Es ist wie in Orwells
Roman 1984. Man sagt - oder zeigt mit den Fingern - die Nummer der Zapfsäule
und legt Rubel in eine Schublade. Ich rechne vorher immer aus, wieviel ich etwa
tanken kann und was das kosten würde. Die Person hinter dem Panzerglas oder
dem vergitterten, dunklen Loch behändigt nun mittels einer Schublade, die sie
hin und her schieben kann, die Noten. Schwups ... die Schublade mit den Rubeln
ist im Hades verschwunden.

Die Zapfsäule ist nun frei geschaltet, und man kann für maximal jenen Betrag tanken,
den man in die Schublade gelegt hat. Reicht der Betrag nicht für einen vollen Tank,
muss man nachzahlen. Alles beginnt von vorne: Zum Fenster rennen. Zapfsäulennummer
zeigen, Geld in die Schublade legen, zurückrennen -, denn es könnte sich ja ein anderer
deines Zapfhahns bemächtigen - weitertanken usw.

Braucht man weniger Treibstoff, als man für das im Hades verschwundene Geld hätte
tanken können, kriegt man das Herausgeld über die ominöse Schublade wieder zurück
... vorausgesetzt, die Kassierin weiss noch, wieviel Geld man bevorschusst und
sie kein Durcheinander mit den Zapfsäulennummern hat. Es ist auch schon vorge-
kommen, dass sich vor dem Abschluss des Zahlvorgangs ein anderer deinen Zapfhahn
behändigt und sich für das Restgeld seinen Tank gefüllt hat.

Handschuhe und Tankschuhe sind an Russlands Tankstellen empfehlenswert. Alles, was
man berührt, stinkt nach Diesel und ist ölig. Auch der Betonboden, wenn es denn einen
hat - nicht asphaltierte oder nicht betonierte Tankstellen fahren wir schon gar nicht an -
ist voller Diesel- und Öllpfützen. Durch die komplizierte Tankerei mit dem Hin- und
Hergerenne habe sogar ich schon die Übersicht verloren und den Zapfhanh genau in
jenem Moment ein- oder ausgehängt, als der Treibstoff zu fliessen begann ... und es
ging halt wieder einmal ein halber Liter verloren. Bei einem durchschnittlichen Dieselpreis
von 60 Rappern je Liter ist das ja auch nicht weiter schlimm.

Aber am meisten aufpassen muss man dann, wenn eine Tankstelle neben der Kassiererin
noch weiteres Personal hat, die einem beim Tanken helfen wollen. Da diese meistens stock-
besoffen sind - oder vielleicht zu viel vom ausgelaufenen Diesel und Benzin eingeatmetet
haben - haben sie grösste Mühe, den Zapfhahn in den Einfüllstutzen zu stecken. Und wenn
der Tank voll ist, spritzt meistens noch ein Schuss Diesel zurück und versaut die Karrosserie
und den Boden - und meistens auch die Tankwarte, die entsprechend aussehen.

Da kann ich nur wieder einmal die Chinesen loben. Dort ist jede Tankstelle bedient, mit
perfekt ausgebildeten Tänzerinnen ... äh Tänkerinnen. Obwohl wir uns sprachlich nicht
verständigen können, verstehen wir uns sofort blendend. Ich öffne den Stutzen, sie
riecht an der Öffnung, ob es Diesel oder Benzin sein soll, und lässt dann den Treibstoff
sachte einfliessen. Kein Tropfen geht verloren. Und wenn sie merkt, dass der Tank fast
voll ist, drückt sie auf einen Knopf ... und es rinnt, jetzt gemächlich, nur noch so viel
Diesel in den Tank, bis der Zähler eine runde Zahl anzeigt. Das ist überaus sinnvoll und
praktisch beim Bezahlen. Die nette Dame zieht dann ihre Tankhandschuhe aus, gibt mir
freundlich die Hand ... nein, so weit geht es nun doch wieder nicht ... , nimmt das Geld
entgegen und gibt mir wenn nötig das Retourgeld. Und lächelt immer, zu mindest bei mir.
An den meisten chinesischen Tankstellen hätte ich nach dem Tanken immer gerne noch
ein wenig verweilt.



In der Mitte, hinter dem schrägen Gitter, sitzt die Kassiererin. Im
quadratischen, kleinen Loch darunter befindet sich die Schublade,
in die man das Geld legen muss. Könnte man russisch, bestünde
die Möglichkeit, sich über eine Gegensprechanlage mit der Kassiererin
zu verständigen. Wir machen es mit Gestik und Mimik, und hoffen,
dass hinter der verdunkelten Scheibe auch wirklich jemand sitzt,
der unsere Zeichensprache verstehen kann. Im übrigen handelt es
sich bei dieser Tankstelle nicht um irgend eine Bruchbude in der
Provinz, nein, es ist eine postmoderne Tankanlage der grossen
russischen Marke Lukoil.


Reiseführer: Die Hälfte der Infos stimmt. Aber welche?
Nicht die menschlichen Guides, die uns in vielen Städten die Sehenswürdigkeiten
vorstellten oder uns in die Geheimnisse der chinesichern Schrift oder Küche einführten,
sind hier gemeint. Vielmehr die gedruckten Exemplare, die für teures Geld an die
Touristen verkauft werden und vorgeben, über jede Region oder Stadt alles
Wissenswerte vermitteln zu können. Auch Lonely Planet, dessen Ausgaben über
China und Russland nur in englischer Sprache erhältlich sind, verspricht vollmundig,
man würde nichts Wissenswertes verpassen, wenn man ihn zu Rate ziehe.

Ein Mitglied unserer Reisegruppe hat beinahe immer, ob wir eine Sehenswürdigkeit
besichtigen, einkaufen oder essen gehen, den Lonely Planet zur Hand. Er weiss
so immer im voraus, was wir erwarten können, wo man gut und wie - mongolisch,
chinesisch oder wie auch immer - essen kann. Er kennt die Preise, bevor wir
die Speisekarte oder die Tafel mit den Eintrittspreisen gelesen haben - und er hat
immer eine Menge Tipps parat, die er aus dem Reiseführer vorliest.

Grundsätzlich habe ich nichts gegen eine gute Reisevorbereitung. Man ist sicher gut
beraten, wenn man sich vor der Reise alle wichtigen Informationen über ein Land, eine
Stadt oder eine historische Sehenswürdigkeit "einverleibt". Und ich habe auch nichts
gegen gedruckte Reiseführer ... aber.

Viele der in den Reiseführern enthaltenen Informationen stimmen ganz einfach nicht -
oder nicht mehr. Vieles ist veraltet, vor allem kulinarische Hinweise und Preisangaben.
Ich gehe wohl richtig in der Annahme, dass rund die Hälfte der sogenannten Geheimtipps
falsch ist, aber man weiss leider nur nicht, welche Hälfte.



Die sibirischen Mücken machen Ferien - oder sie streiken

Immer wieder wurden wir gewarnt vor Miriaden von Mücken am Baikalsee, in den sibirischen Sümpfen
und an den grossen Flüssen, die durch die weite Landschaft mäandern und bei Hochwasser riesige Auen überschwemmen.

Man könne keine Minute im Freien verbringen, besonders beim Eindunkeln. Die Mücken würden jede noch so kleine Ritze im Camper finden, in Horden ins Innere dringen und uns bis zur Verzweiflung plagen. Und auch die noch so hochgelobten und teuren Mückensprays, wie beispielsweise jenes des Schweizerischen Tropeninstituts, würden keine einzige Mücke in die Flucht jagen und von ihrem Vorsatz abbringen, uns wertvolles Blut abzusaugen und einen juckenden Stich zu hinterlassen. "Das einzige, das gegen sibirische Mücken wirkt, ist der Umstand, dass sich diese beim Einatmen der wirkungslosen Antimückenwirkstoffe buchstäblich totlachen", prophezeite uns ein Sibirienkenner.

Tatsache ist, dass ich während der langen und vielkilometrigen Reise durch Sibirien nur einige wenige Mücken gesichtet habe. Gestochen hat mich nicht eine einzige - und auch an der Windschutzscheibe sind nur ganz wenige Exemplare zermamscht worden. Wenn ich vergleiche, wie jeweils die Windschutzscheibe aussieht, wenn ich vom Tessin nach Hause fahre, dann ist die Ausbeute an Insektengeschmier an der Wagenfront hier nicht mehr als ein Fliegenschiss.

Wo sind sie nur geblieben, die vielzitierten Stechmücken? "Sie machen wahrscheinlich Ferien in Skandinavien, denn ich habe gelesen, dass dort derzeit eine grosse Mückenplage herrsche", sagte unser Guide schmunzelnd. "Oder sie streiken, weil sie mit der Politik von Medwedew und Putin nicht einverstanden sind", meinte unserer Sibirienkenner, der ob seiner nicht wahr gewordenen Hellseherei ebenfalls eine witzige Bemerkung machen wollte.

Zugegeben, wir alle sind froh, dass wir keine Mückenplage erlebt haben. Vielleicht waren die Witterungsbedingungen einfach nicht günstig für die Mückennachzucht. Oder wir haben die Mückensaison verpasst - oder sie kommt erst. Ähnliches habe ich übrigens auch schon auf einer Finnland-Schweden-Norwegen-Reise erlebt; ich war immer dort, wo die Mücken gerade nicht waren. Und von anderen weiss ich, dass sie es genau umgekehrt erlebt haben.

Es könnte aber auch sein, dass dieses Jahr kein Mückenjahr ist. Wir haben das Jahr der Ratte - zu mindest in China.

© .by Bruno Kleger CH-9000 St.Gallen ¦ bruno@kleger.net ¦ April 2011