Reise nach China
und wieder zurück

April - September
2011

Seite 4


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Durch die kasachische Steppe


Camp in der Steppe



Islamischer Friedhof am Rande Strasse



Nach dem Platzregen vor dem Zoll Kasachstan - Usbekistan

16. Mai 2011 - Xiva

Er-Fahrung
Waschbrett-Pisten sind eigentlich keine Strassen, sondern im besten Fall gefräste und gewalzte Schotterwege. Jene, die wir in der kasachischen Steppe befahren haben, hatten die letzte Fräsung schon so lange hinter sich, dass sich kein Stein und kein Sandkorn mehr daran erinnern konnten. Eine Tortur für den Fahrer, das Fahrzeug und das mitfahrende Inventar.

Es rüttelt und schüttelt, es lärmt ohrenbetäubend, das Geschirr klirrt, die Pfannen scheppern, das Wischpapier rollt sich frei, die Taschenlampe löst sich aus der Verankerung und die aus dem Vorratsnetz gefallenen Zigarren zittern über den Fahrzeugboden. Dabei fahren wir nur gerade mit einer Geschwindigkeit eines untrainierten Radfahrers. Ein Königreich für etwas Asphalt oder splitgeteerter Strasse!

Und dann der Staub! Wie bin ich nur auf die Idee gekommen, auf dem Landweg nach China zu fahren. Hätte ich doch das Flugzeug genommen. Er wäre schneller, bequemer und erst noch günstiger gewesen!

Nach einer Stunde - und etwa zehn Kilometern Fahrstrecke - dann die Erlösung: Split, frisch geteert. Der Lärm im Radkasten von den aufgewirbelten Steinchen tönt wie Musik in den Ohren. Aber bevor man sich so richtig an die Split-Symphonie gewöhnt hat, folgt ein Abschnitt alter geteerter Strasse. Freude herrscht, aber nur für kurze Zeit. Denn alter Asphalt ist so ziemlich das Schlimmste. Er ist nämlich reich bestückt mit Schlaglöchern aller möglicher Arten. Schlaglöcher leben in Rudeln. Es gibt nicht nur eines, sondern sie reihen sich dicht an- und nebeneinander. Es gibt kleine und grosse, tiefe und flache, harmlose und heimtückische. Am wenigsten liebe ich jene, die sich hinter Bodenwellen verstecken und dich unvorbereitet überraschen.

Dann ist die hohe Zeit der Fahrzeugtechnik gefragt. Die Federung federt, die Stossdämpfer dämpfen, die Pneus schlucken; die ausgefeilte Technik fängt die Stösse auf. Ich erwarte bei jedem Fall in ein Schlagloch den Zusammenbruch der Radaufhängung. Aber nichts passiert. Es federt und dämpft und schluckt weiterhin perfekt!

Dann wie aus dem Nichts: Grosse Regentropfen prasseln an die Frontscheibe. Ich freue mich, dass ich so den Staub wegwischen kann. Die Freude ist jedoch nur von kurzer Dauer. Wir befahren wieder einen Wellblechabschnitt. Die Fahrspur wird schlammig-glitschig, das Heck bricht links und rechts aus. Als erfahrener (!) Fahrer (!) halte ich zum Vordermann gehörigen Abstand, damit ich tiefere Schlammstellen mit Schwung durchwaten kann. Einige Lenker weichen den immer tiefer werdenden Fahrspuren aus und befahren Wege neben der eigentlichen Strasse. Einer versinkt und kann nur noch mit Hilfe eines vierradgetriebenen Offroaders aus dem Schlamm herausgezogen werden.

Ohne diese Unterstützung hätte er auf das Ende des Platzregens und das Austrocknen des Untergrundes warten müssen, und sich erst noch mit der Schaufel von Hand freigraben müssen. Wir hätten glatt einen Tag verloren.

Dann plötzlich, oh Wunder, geteerte, mehrspurige Autostrasse. Ich bin wieder ein glücklicher Fahrer und zufriedener Mensch, erleichtert und froh. Ein wenig Abenteuer muss sein, aber bitte nicht zu viel. Das Auto schwebt dahin. Es ist plötzlich still, man hört nur das herrliche Summen der Pneus und das liebliche Rauschen des Fahrtwindes. Die Papierrolle rollt sich wieder ein, die Zigarren liegen verloren auf dem Boden, und das Geschirr und die Pfannen warten ruhig und still auf ihre eigentlichen Aufgaben.


Von Astrachan durch die kasachische Steppe nach Nukus, einer Stadt südlich des Aralsees, fahren wir in drei Tagen über 1'400km über Strassen unterschiedlichster Qualität und Ausführung. Wir können die geplanten Tagesrouten wegen der schlechten Witterung und der teilweise miserablen Wellblechpisten nicht einhalten.

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Wieder in der Zivilisation - Plattenbau in Nukus (Stadt südlich des Aralsees/ Usbekistan - Ehemalige Sozialistische
Sowjet-Republik Khoresm)


© .by Bruno Kleger CH-9000 St.Gallen ¦ bruno@kleger.net ¦ April 2011