Reise nach China
und wieder zurück

April - September
2011

Seite 42


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Strassen-randständige Quittungsfälscher


Man sieht sie an allen Einfall- und Ausfallstrassen grösserer russischer Städte. Leute, die am Strassenrand stehen und mit einer weissen Tafel, die etwa A4-gross, absolut unbeschriftet und an einem Holzstock befestigt ist, allen Lastwagenfahrern, und nur diesen, zuwinken.

Sind das Autostopper, die nur mit Lastwagen mitfahren? Oder haben sie irgend etwas zu verkaufen oder anzubieten, was nur grosse Autos benötigen?

Unser Guide hat uns aufgeklärt. "Das sind Quittungs-fälscher", sagt er schmunzelnd. "Die fälschen dir von jedem Hotel, Motel oder sonst einer schmutzigen Absteige die Quittung für Parkgebühr, Übernachtung und Essen."

"Die Fahrer schlafen im Wagen am Strassenrand und geben ihrer Firma vor, sie hätten gegen Barzahlung in einer Fahrerherberge übernachtet. Gegen eine einwandfrei ausgestellte Quittung bekommen sie problemlos das Geld zurückerstattet."

Allerdings seien die Quittungen nicht gratis. Die Fälscher verlangten in der Regel einen Viertel bis einen Drittel des auf dem Beleg angegebenen Betrages. Ob sie für ihre Arbeit eine Quittung ausstellen, weiss ich nicht, denn ich habe vergessen, den Guide danach zu fragen.

Aber es würde mich schon interessieren, wie eine echte Quittung aussähe, die für die Herstellung einer gefälschten ausgestellt wurde, und ob ich den Unterschied bemerkte, und ob die Chauffeure die Ausgaben für die Quittungs-fälschung beim Vorliegen einer Quittung von der Steuer abziehen könnten, und wie die Steuererklärung der Quittungsfälscher aussähe, wenn sie denn eine machten (wäre wohl auch gefälscht), und warum die Arbeitgeber der Chauffeure nicht in den Herbergen nachfragen, ob sie tatsächlich da übernachtet hätten, und ob den Steuerbeamten, welche bei den Arbeitgebern die Quittungen kontrollieren, bei den Herbergen überprüfen, ob diese die auf den Quittungen ausgewiesenen Einnahmen verbucht und darauf Mehrwertsteuer und Einkommenssteuer entrichtet hätten undsoweiter undsofort.


Unser Guide hat lakonisch gemeint: "Wo kein Licht ist, da ist auch kein Schatten, und darum heisst es ja auch Schatten-wirtschaft." Alles klar?

PS Heute hat mir Marco übers Handy mitgeteilt, ich hätte zu Hause die defintive Steuerveranlagung zugestellt erhalten. Und was mache ich jetzt mit all den Hotelquittungen, die ich vorgestern bei einer Moskauer Fälscherwerkstatt für alle hunderfünfzig Übernachtungen dieser Reise nachträglich habe machen lassen? Und die übrigens alle unwahrscheinlich echt aussehen. Echt wahr!


 

© .by Bruno Kleger CH-9000 St.Gallen ¦ bruno@kleger.net ¦ April 2011