Reise nach China
und wieder zurück

April - September
2011

Seite 5


> eine Seite weiter
< eine Seite zurück

> zum Inhaltsverzeichnis

> Karte Reiseroute (1,2 MB)
...> Karte gross (7 MB)

> zum Portal

Xiva (Shiva/ Khiva) - Old Silk Road City




Silk Road Motiv, aufgemalt auf Kacheln in Moshee von Xiva
Xiva, 21. Mai 2011 - Xiva liegt an der nördlichen Route der Seidenstrasse, etwa 500km westlich von Buchara, südlich des Aralsees (ca 300km entfernt) und nahe des Flusses Amu Darja (die Griechen nannten diesen Fluss Oxus).

Die Quellen des Amu Darja befinden sich im mächtigen Pamirgebirge, das sich vom Westen Chinas, über den Osten Tadschikistans bis in die nördlichen Gebiete Afghanistans, Pakistans und Indiens erstreckt. Die höchsten Gipfel erreichen dort eine Höhe von 7'500-7'800 Meter.

Der Amu Darja hat auch den Beinamen "Der wilde Fluss", wegen seiner reissenden, schäumenden Stromschnellen am oberen Flusslauf. Hier unten ist er nur noch ein schmales, stark mäanderndes Flüsschen. Dem einst stolzen Strom wird auf dem Weg in den Aralsee praktisch alles Wasser entzogen und auf die weiten Felder verteilt. Es fliesst nur noch ein dünnes Rinnsal in den Aralsee. Dieser trocknet allmählich aus; in einigen Jahren wird er von der Bildfläche verschwunden sein, denn auch der zweite Zufluss, der weiter östlich gelegene Syr Darja, wird von der Landwirtschaft und Industrie hemmungslos ausgebeutet.

Die Altstadt von Xiva ist noch intakt: Stadtmauer aus dem 16./17. Jahrhundert, verwinkelte Gassen, orientalische Märkte, viele Medressen mit Museen und lauschigen Teestuben.

Xiva hat eine eindrückliche Geschichte. Namhafte Historiker sind der Meinung, dass sich hier das in alten Schriften oft zitierte Zweistromland befindet, jenes Gebiet also, wo die Menschen erstmals sesshaft wurden, und wo sie begannen, mit Ackerbau und Viehzucht zu experimentieren. Man könnte schlussfolgern, dass sich in diesem Gebiet die menschliche Zivilisation erstmals gewissermassen so richtig entfaltete. In den Museen finden sich auch eindrückliche Zeugnisse einer vom 11. bis 15. Jahrhundert hochentwickelten Kultur, insbesondere in den mathematischen Wissenschaften (Algebra) und der Medizin. So soll beispelsweise der Algorhythmus erstmals von einem Mathematiker aus Xiva angewandt worden sein.

.
Auf einer Ponton-Brücke über den Amu Darja (links) - der Amu Darja von der Brücke aus (rechts) - Achtung auf die Pneus: Es hat grosse Löcher in der Stahlkonstruktion der Brücke und scharfe Kanten an den Blechprofilen



.

.

Mein lauschiger Stellplatz im Garten des Hotels in Xiva - Südliches Stadttor von Xiva




Moschee mit Minarett

.

.

.

.

. ...


Wer hat's erfunden?

Nein! Diesmal nicht die Schweizer, sagt unsere Xiva-Reiseführerin Larissa in gutem Deutsch. Die Geldwäsche
wurde erstmals in der Sozialistischen Sowjet-Republik Khoresm (Hauptstadt: Xiva) praktiziert. Und das, erzählt
Larissa, kam so. Als 1919 mit der russischen Revolution die SSR Khoresm gegründet wurde, bekam sie auch das
Recht (und die revolutionäre Pflicht), Geld zu drucken und zu prägen
. Da kein Papier in der dazu notwendigen
Qualität zur Verfügung stand,
wollte man erst nur Münzen prägen. Alle Bewohner wurden aufgefordert, dem
Dorf- und Stadtsowjet möglichst viele Gefässe aus Kupfer oder Messing abzugeben, damit daraus Münzen hätten
geprägt werden können. Die Khoresmer lieferten zwar Gefässe ab, aber nicht aus den wertvollen Metallen,
sondern aus Ton. Daraus liess sich jedoch auch mit dem grössten sowjetischem Willen kein Geld herstellen.

Ein findiger Beamter kam dann auf die Idee, statt Papier Seide zu verwenden. Es entstand, so Larissa, die erste und
bisher einzige Seidenwährung. Sie hatte jedoch einen ziemlich ekligen Nachteil: Sie verschmutzte schnell und
wurde selbst für sowjetische Verhältnisse bald recht unappetitlich. Aber Seide lässt sich bekanntlich waschen:
Gesagt, getan! So wurde (O-Ton Larissa) zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit Geld gewaschen.
Die Geldwäscherei sei also nicht eine schweizerische, sondern eine khoresmische Erfingung, so die Reiseführerin.
Die Schweizer seien damit reich, die Khoresmer, als die kleine Republik 1925 in die usbekische integriert wurde,
aber noch ärmer geworden, denn die alte Währung sei zwar sauber, aber von heute auf morgen nichts mehr Wert
gewesen.




Das einizige noch existierende Exemplar einer 5'000-Rubel-Note aus Seide
kann im Naturhistorischen Museum von Xiva bewundert werden.


Ein Pfund Noten für eine Tankfüllung

Die usbekische Währung heisst Cym (gesprochen: Sum). Sie kennt nur drei Notengrössen: 200er, 500er und 1'000er.
1'000 Cym sind umgerechnet etwa 30 Rappen. Wenn man also tanken muss (50 Liter zu 1'900 Cym = 95'000 Cym/
umgerechnet etwa 28 Franken) muss man ein etwa ein Pfund schweres, fast zwei Zentimeter dickes Bündel hinblättern.



Dieses Bündel Cym reicht für eine Tankfüllung

Zum Abzählen der 95 Scheine benötige ich etwa 50 Sekunden, die Einheimischen schaffen es in etwa 30. Die besonders
geübten Geldwechsler in 20. Geldzählen ist eine beliebte usbekische Sportart und soll bald olympisch werden.

Geld gewechselt wird grundsätzlich im Schwarzhandel, der sich in aller Öffentlichkeit abspielt. Der Kurs schwankt für EURO
um bis zu 20, für $ um etwa 10 Prozent. Handeln für einen vorteilhaften Kurs und Nachzählen ist Pflicht. Oft fehlen in einem
100er-Bündel so 4-5 Scheine. Geldzählmaschinen habe ich bis jetzt noch nirgendwo gesehen; ich bin gespannt, wie das
Geldzählen in den grossen Supermärkten in Taschkent funktioniert.

Ich benötige morgen dringend Mineralwasser, Bier, Brot, frisches Obst und Gemüse. Ich lege mir für diese Einkäufe im Minimarkt
sicherheitshalber mal ein etwa 3cm hohes 1000er-Notenbündel auf die Seite.