Reise nach China
und wieder zurück

April - September
2011

Seite 9


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Toshkent


Eine der vielen Kontrollstellen auf dem Weg nach Toshkent (etwa alle 100km,
und immer vor wichtigen Brücken). Anhalten und Ausweiskontrolle ist Pflicht.




Über den Syr Darja, den östlichen Fluss im Zweistromland. Auch diesem
Fluss wird auf dem Weg zum Aralsee praktisch der letzt Wassertropfen
entzogen.

Toshkent, 30. Mai 2011 - Taschkent (oder Toshkent, wie man hier schreibt), hat mich überrascht. Ich habe eine staubige, heisse, verkehrsbelastete Stadt erwartet (meine Kenntnisse stammen aus Romanen wie Krebsstation von Solchenyzin oder Ein Tag länger als ein Leben von Tschingis Aitmatow), empfangen hat mich eine insgesamt modern wirkende Metropole mit breiten, baumbestandenen Boulevards, vielen Wasserspielen und lauschigen, grosszügig angelegten Parkanlagen. Klar, es hat hier auch jede Menge Plattenbauten aus der Sowjetzeit und staubige Wohnquartiere mit defekter Infrastruktur, schlaglochübersäten Nebenstrassen und stinkenden Mülldeponien. Aber die Stadt ist im Aufbruch und besitzt den Willen, eine aufstrebende Metropole eines unabhängigen Usbekistans zu sein oder mindestens zu werden.

Die Menschen hier sprechen überwiegend usbekisch (eine Turksprache), die kyrillische Schrift verschwindet mehr und mehr aus dem Alltag und muss lateinischen Buchstaben Platz machen: Vorbild bei der Umgestaltung ist die Türkei.

Wir campen vor einem ****Hotel mitten in der Stadt an einer verkehrsreichen Strasse (und sind eine vielbeachtete Attraktion, wie wenn in einer Schweizer Stadt der Zirkus einzieht).



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Die vielen "Tankstationen" für Mineralwasser in den Dörfern sind willkommen, allerdings ist der Inhalt wegen der hohen Temperatur wenig
erfrischend (links). So (Bild rechts) wohnen die eher wohlhabenden Toshkenter: Einfamilienhäuser, von einer Mauer umgeben, mit lauschigen
Gärten und ausgestattet mit allen Annehmlichkeiten. Andere haben weniger Komfort (unten) und hausen in Plattenbauten aus der Sowjetzeit.




Unten Bilder vom Platz vor der Freitagsmoschee - wo übrigens das älteste Exemplar eines handgeschriebenen Korans aufbewahrt wird -
und Fotos aus dem Regierungsviertel







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Vor dem Kassahäuschen der Toshkenter Oper (links: "Repertoire", Angaben fehlen, da die Oper zur Zeit umgebaut wird; rechts: "Kassa").
Auf dem Bild unten: Das ist tatsächlich das Kassahäuschen der Oper. Die Kassierin versteckt sich im Innern und ist bestens vor Überfällen geschützt.





Eine OLMA in der Kirgisen-Steppe: Halluzination oder Fata morgana?

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Nein, nicht die St.Galler haben's erfunden, sondern die Usbeker. In der Steppe zwischen Samarqand und Toshkent,
an der Strassengabelung nach Gagarin und Guliston liegt sie, die wahre Wiege der OLMA, und da befindet sich auch das
Dorf, das die zukünftige Abkürzung der OFFA trägt (Ostschweizer Trend-Ausstellung OTA)!

Die Strassenwegweiser sind so verbeult, dass sie mindestens hundert Jahre alt sein müssen. Der Beweis,
dass diese Namen in der kasachischen Wüste erfunden worden waren, ist damit erbracht.

Ungefähr fünf Wochen hat es gedauert, bis ich alles, was mir in der Heimat so viele Sorgen bereitet hatte,
endlich vergessen konnte. Der Steppenwind hatte Worte wie OLMA, OFFA, Ferienmesse usw. endgültig,
wie ich meinte, aus dem Gehirn geblasen, und Eïnnerungen an Tätigkeiten wie Geleitworte redigieren, Inseratepläne
erstellen usw. hatte die Sonne weggebrannt. Und dann das! Dieser Wegweiser hat alles wieder hervorgeholt!

Wir sind übrigens nicht nach OLMA-OTA gefahren, sondern wir mussten nach Gagarin abbiegen. Auch ein kurzer
Abstecher war wegen der grossen Distanz (ca. 120km) nicht möglich, denn die anderen Reiseteilnehmer hatten für
meine Argumente kein Gehör. Die OLMA war ihnen buchstäblich W........... und auch zu weit weg!

Frei übersetzt heisst OLMA-OTA nach den Angaben der Reiseführerin: Sowchose-Siedlung Olma; und
OLMAZOR bedeutet ungefähr Olma-Produktionsgemeinschaft.



© .by Bruno Kleger CH-9000 St.Gallen ¦ bruno@kleger.net ¦ April 2011